Herr Strunz und Herr Achimsen

Doppelt hält besser: Im Fernsehfilm "Der Job seines Lebens" brilliert Wolfgang Stumph als eine Art Ministerpräsident von Köpenick

Von Michael Link

Erwin Strunz ist ein Verlierer, Uwe Achimsem ein Gewinner. Erwin Strunz fährt mit Ehefrau, altem Golf und Wohnwagen in Urlaub. Herr Achimsen reist mit Hubschrauber, Geländewagen und Gattin nach Kärnten ins feine Appartment. Erwin Strunz ist seit vier Jahren arbeitsloser Werkzeugmacher, Herr Achimsen ist Ministerpräsident, irgendwo, wahrscheinlich in einem der neuen Bundesländer, sein sächsischer Dialekt kann aber auch Zufall sein.

Als Erika Strunz ihren Angetrauten unterwegs in der Landeshauptstadt zum Friseur schickt, ist Erwin plötzlich Uwe Achimsen: Er sieht ihm zum Verwechseln ähnlich. Passanten bitten ihn um Autogramme oder pöbeln ihn an, er wird in die Staatskanzlei gedrängt und muss in die Rolle des Landeschefs schlüpfen. Eine Köpenickiade.

Zum Maifeiertag sendet die ARD die Komödie "Der Job seines Lebens". Der Film bietet Stars auf: Der Dresdener Kabarettist und Schauspieler Wolfgang Stumph ("Go, Trabi, go"), noch ungeschoren von seinen sieben Rippenbrüchen, die er sich vor kurzem bei einem Bühnensturz zuzog, spielt in einer Doppelrolle den Arbeitslosen und den Ministerpräsidenten. An seiner Seite gibt Katharina Thalbach die gewitzte Berliner Ehehälfte, Katja Riemann die Ministerpräsidenten-Gattin, Ulrike Krumbiegel ist die Protokollchefin.

Als Burlesque stellt der Film die Welt auf den Kopf, der kleine Schrebergärtner Strunz nimmt zunehmend selbstsicherer auf dem Sessel des Ministerpräsidenten Platz und düpiert die Ministeriums-Chargen. Ein kühles Bier zum Frühstück war bislang hier nicht Usus. Schnell lässt ihn Drehbuchautor Claus Tinney ("Das Traumschiff") im Spiel der Politik mitmischen. Mit einer gewagten Bürgschaft rettet Strunz das marode Spielmann-Werk und damit zahlreiche Arbeitsplätze. Das hat Tiefgang, ist witzig, wenn auch nicht frei von Stereotypien. Die Situationskomik von Wolfgang Stumph und Katharina Thalbach verlockt zuweilen zum Schreien. Beiden zuzuschauen ist ein Vergnügen.

Kein Vergnügen ist es aber, was die Geschichte aus dem Ansatz macht. Spätestens bei dem Besuch der englischen Königin, als der falsche Ministerpräsident "Auf der Reeperbahn, nachts um halb eins" anstimmt, wird der Bogen überspannt. Was als Satire auf die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber der Arbeitslosigkeit kritisch wirken könnte, wird zur Farce. Allzu lerneifrig steigt der echte Ministerpräsident nun in die Niederungen des Lebens, um die Kränkungen auf dem Arbeitsamt am eigenen Leib zu erfahren. Vorm Abkippen in die Klamotte bewahrt den Film alleine die Kunst der Darsteller.

Berliner Morgenpost, 30.04.2003


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